Gegen den Strom oder feige mitschwimmen?

 

Auf meinen Artikel hin: „Die Zerstörung der Gesellschaft, der Griff nach unseren Kindern“, erfolgte vom Vorstand des LSV, Lëtzebuerger Schrëftstellerverband, die Aufforderung an mich, von meinem Posten als Sekretärin zurückzutreten.

Der Anruf eines Kollegen machte mir erst einmal Mut: „Ich gebe Dir Recht mit dem was du schreibst und ich stehe voll hinter Dir.“ Und er fügte voller Überzeugung hinzu: „Gott hat den Menschen unterschiedlich geschaffen, als Mann und als Frau.“

Zwei Wochen später sah das Ganze ein bisschen anders aus. Es hatte eine sogenannte „Reichling-Debatte“ gegeben, bei der die Mitglieder des Schriftstellerverbandes sich untereinander austauschten. Der Kollege meinte danach: „Halte mich bitte nicht für feige, doch ich werde bei der Abstimmung nicht dabei sein. Ich kann mich nicht gegen den Mainstream stellen, der ist zu stark.“ Geht es nicht vielen Leuten ähnlich wie diesem Kollegen, was die Frage der Familie, bestehend aus Vater, Mutter, Kinder und den Schutz des Kindes anbelangt?  Viele trauen sich nicht, öffentlich Stellung zu beziehen und sich gegen das Recht von homosexuellen Paaren, Kinder zu adoptieren auszusprechen. Sie wollen nicht als intolerant bezeichnet werden.

Ehrlich gesagt, ich halte den Kollegen doch für feige.

Ist es nicht gerade deswegen so schnell und unspektakulär soweit gekommen. Weil man nicht klar Stellung beziehen will? Viele haben die Petition „Schutz fir d’Kand“ nicht unterschrieben. „Ich weiß gar nicht, was die genau vertreten“, sagte man. Man hatte sich nicht damit auseinander gesetzt, sich nicht informiert. Oder man weiß nicht einmal, wer dahinter steht und dass die Erstunterzeichner Juristen, Jugendrichter, Kinderärzte, Kinderpsychologen, Ethiker und Pädagogen sind. Die sich sehr wohl mit der Thematik auskennen.

In Luxemburg dürfen von nun an homosexuelle Paare heiraten und sogar Kinder adoptieren. Die beiden Gesetzesprojekte 6172 und 6568, die homosexuellen Paaren Zugang zur Ehe, zur Volladoption und zur künstlichen Fortpflanzung geben, sind gestimmt.

Was den LSV und seine außerordentliche Generalversammlung betrifft,  welche zum Zweck hatte, mich aus dem Vorstand zu werfen? Es fanden sich, mit meinen vier Anklägern, nicht einmal zehn Mitglieder zusammen. Wie viele davon auf meiner Seite waren, weiß ich nicht. Jedenfalls traten die vier zurück!

Gott sei Dank liegt es nicht in der Macht eines Vorstandes, was öffentlich geschrieben und gesagt werden darf und was nicht, sondern es ist im Grundgesetz verankert. Tut jedoch der Vorstand eines Schriftstellerverbandes dies, verstößt er damit gegen elementare Grundrechte der Demokratie. Ich zitiere den Satz eines anderen Kollegen „Ich halte diese Freiheit des Wortes für ein extrem hohes Gut und gerade ein Schriftstellerverband sollte sich hüten, diese Freiheit zu untergraben.“

Freie Meinungsäußerung oder Zensur

Heute kann man schockierende Horrorgeschichten schreiben, abartige Romane veröffentlichen, doch sobald man mit einer unbequemen Wahrheit ans Licht kommt, wird man verfolgt. Das ist eben so! Setzt man sich für etwas ein, so hat man auch Gegner.

Auf meinen Leserbrief zur Gender-Theorie im „Trierischen Volksfreund“ und im „Luxemburger Wort“, erfolgte von vier Mitgliedern des Vorstandes des Luxemburgischen Schriftstellerverbandes-LSV die Aufforderung an mich, von meinem Posten als Sekretärin zurückzutreten. Sehr diskriminierend, nicht wahr?

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Diese Menschen und insbesondere zwei von ihnen, radikale Feministinnen, haben mit der Auslösung ihrer Polemik dafür gesorgt, dass der LSV aufgelöst werden muß, weil er für die Mitglieder  nicht mehr glaubhaft ist. Schade, oder nicht? Dabei hatten wir gerade sehr viel dafür gearbeitet, den LSV wieder aufzupäppeln.

Gott sei Dank liegt es nicht in der Macht eines Vorstandes, was öffentlich geschrieben und gesagt werden darf und was nicht, sondern es ist im Grundgesetz verankert. Tut jedoch der Vorstand eines Schriftstellerverbandes dies, verstößt er damit gegen elementare Grundrechte der Demokratie.

Zu allen Zeiten haben gerade Schriftsteller das Schreiben eingesetzt, um, nachdem sie recherchiert hatten, ihre Meinung zu äußern und auf Missstände aufmerksam zu machen. Sie haben damit so manches Mal mitgeholfen, falsche Entwicklungen in der Gesellschaft gerade zu biegen. Ob in der Musik, im Film, beim Theater, Tanz oder andern Kunstrichtungen, überall nutzen Künstler ihr Spezialgebiet, um ihre Ansicht zum Ausdruck zu bringen. Wahre Künstler haben sich nie gängeln lassen, sie wollten frei sein. Es wäre wünschenswert, dass Kunst wieder vermehrt ihrer ursprünglichen Aufgabe zugeschrieben wird – aufzuklären, zu dokumentieren und wachzurütteln. Noch leben wir in einer Demokratie, oder geht diese Zeit ihrem Ende entgegen? Schon bei den EU-Wahlen haben wir gemerkt, wie schwer es geworden ist, den Wählerwillen durchzusetzen. Immerhin darf noch vieles gesagt werden, das ist beruhigend. Es war John Stuart Mill, der 1859 in seiner Schrift „Über die Freiheit“ in der Meinungsfreiheit die Grundlage für das Wohlbefinden des Staates sah. Wenn eine Gesellschaft etwas vorschreibt, weil es gängige Sitte sei, verbiete sie das Denken, mahnte der britische Philosoph. Sie erlange keine Übung, in der offenen Debatte „das Beste zu erkennen oder zu erstreben“. Ein Volk bleibe stehen, die Luft wird miefig-piefig, so Mill weiter, „wenn es aufhört, Individualität zu besitzen“.

So bestehe auch ich weiterhin darauf, als freier Bürger und Mensch, meine Meinung zu äußern und mich für die Dinge einzusetzen, für die es sich meiner Ansicht nach lohnt. Ich tue das nicht als Mitglied oder im Namen eines Verbandes, sondern als Privatperson und freie Schriftstellerin.